Das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) – wie Innovation Familien viel Leid ersparen kann

Shownotes

Das Respiratorische Syncytialvirus (RSV) ist für Säuglinge eine oft unterschätze Gefahr, da sind sich Ärzt:innen und Hebammen einig. Lange Krankenhausaufenthalte und intensivmedizinische Behandlungen stellen für erkrankte Säuglinge und Kleinkinder, ihre Eltern sowie das Gesundheitssystem eine erhebliche Belastung dar. Eine innovative passive Immunisierung kann Familien die traumatische Erfahrung einer schweren RSV-Erkrankung ersparen. Wie sie funktioniert, welches Potenzial sie hat, Leid zu reduzieren, und was Österreich von anderen Ländern lernen kann – darüber spricht Moderatorin Martina Rupp in der 48. Folge von „Am Mikro|skop“ mit Univ. FÄ Dr.in med.univ. Dr.in scient.med. Anna Birgitta Scheuchenegger, Fachärztin an der Neonatologie auf der MedUni Graz und am LKH Univ.-Klinikum Graz und Hebamme Christina Kulle, BSc, Leiterin der Landesgeschäftsstelle Kärnten des Österreichischen Hebammengremiums.

Weitere Informationen zu RSV finden Sie hier: RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) | Impfen schützt einfach.

Die Produktion dieser Episode wurde von Sanofi unterstützt. Die Expertinnen haben für das Gespräch kein Honorar erhalten.

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Transkript anzeigen

00:00:03:

00:00:05: Am Mikroskop.

00:00:08: Welche Rolle spielen Arzneimittel-Innovationen für Österreich?

00:00:12: Welche Relevanz haben Forschung, Entwicklung und Produktion von Medikamenten in Österreich?

00:00:17: Wie und wo wird

00:00:18: geforscht?

00:00:20: Und wie steht Österreich im internationalen Vergleich da?

00:00:23: Der Podcast «Am Mikroskop» widmet sich dem Themenkreis pharmazeutische Innovation, Life Science

00:00:30: Forschung & Entwicklung und Produktion, eine Initiative von Fachverband Chemische Industrie und Forum der forschenden pharmazeutischen Industrie in Österreich.

00:00:40: Medienpartner des Podcasts ist MedMedia RELATUS.

00:00:45: Folge 48.

00:00:47: Das respiratorische Syncytialvirus RSV – wie Innovation Familien viel Leid ersparen kann.

00:00:55: Das respiratorische Syncytialvirus RSV ist für Säuglinge eine oft unterschätzte Gefahr, da sind sich Ärzt:innen und Hebammen einig.

00:01:05: Lange Krankenhausaufenthalte und intensivmedizinische Behandlungen stellen für erkrankte Säuglinge und Kleinkinder, ihre Eltern sowie das Gesundheitssystem eine erhebliche Belastung dar.

00:01:17: Eine innovative, passive Immunisierung kann Familien die traumatische Erfahrung einer schweren RSV-Erkrankung ersparen.

00:01:26: Wie sie funktioniert, welches Potenzial sie hat, Leid zu reduzieren und was Österreich von anderen Ländern lernen kann -

00:01:33: Darüber spreche ich heute mit Anna Scheuchenegger Fachärztin an der Neonatologie an der MedUni Graz des LKH Universitätsklinikum Graz und Hebamme Christina Kulle, Leiterin der Landesgeschäftsstelle Kärnten des österreichischen Hebammen Gremiums.

00:01:49: Herzlich willkommen!

00:01:51: Vielen Dank für die Einladung.

00:01:52: Danke, dass ich da sein darf.

00:01:54: Was ist RSV und warum ist es so gefährlich?

00:01:58: RSV ist ein Virus, das Atemwegserkrankungen macht.

00:02:01: Bei vielen Menschen bei den meisten Menschen der Bevölkerung also älteren Kindern und Erwachsenen harmlose Atemwegsinfektionen mit Schnupfen, Husten teilweise auch Fieber.

00:02:11: aber besonders bei unseren Kleinen bei den Säuglingen ehemaligen Frühgeborenen und auch Kleinkindern im zweiten Lebensjahr kann das Virus sehr schwere Atemwegsinfektionen machen mit schweren Symptomen, die bis zu Krankenhausaufenthalten führen.

00:02:26: RSV ist sogar die Hauptursache für schwere Atemwegsinfekte und Krankenhausaufenthalte bei Säuglingen.

00:02:32: Es ist gefährlich, weil es ist leicht, dass man sich damit ansteckt.

00:02:36: Und deswegen ist es so wichtig, dass man die Eltern aufklärt, dass man auch was dagegen tun kann.

00:02:44: Wie häufig machen Kleinkinder und Säuglinge RSV-Infektionen durch?

00:02:49: Bis zum zweiten Geburtstag machen eigentlich alle Kinder eine RSV Infektion durch.

00:02:54: Zum Glück eben nicht alle schwere RSV-Infektionen, aber je jünger sie sind

00:02:58: oder wenn sie Risikofaktoren haben wie eine ehemalige Frühgeburtlichkeit oder Herzlungenerkrankungen, Muskelerkrankungen, dann ist das Risiko höher für schwere Erkrankungen oder schwere Verläufe.

00:03:08: Und wenn sie es einmal gehabt haben, haben sie's hinter sich?

00:03:11: Leider nicht!

00:03:12: Gegen das Virus gibt es jetzt keine Antikörper, die wir dann immer im Körper behalten.

00:03:18: Wir können uns immer wieder damit anstecken aber wie ich vorher schon erwähnt habe, sind die schweren Verläufe im Säuglingsalter viel häufiger und wenn sich die Kinder später wieder damit einstecken oder auch die Erwachsenen Menschen dann sind das meist milde Verläufe.

00:03:33: Im späteren Lebensalter wird es dann wieder etwas anders.

00:03:36: Da gibt's dann wieder schwerere Verläufe, aber ich glaube das ist heute nicht ganz das Thema.

00:03:40: Die hospitalisierten Kinder sind das Frühchen, Kinder, die schon mit Problemen auf die Welt gekommen sind?

00:03:48: Das sind zum Großteil gesunde Kinder, die dann ins Krankenhaus wieder müssen also hospitalisiert werden.

00:03:55: Reifgeborene

00:03:56: Kinder und natürlich zu einem bestimmten Maße auch Frühgeborenen weil sie sind ja ein großes Risikoklientel dafür.

00:04:05: Aber siebzig Prozent der Kinder sind reif geboren, also ...

00:04:09: Weil es eben ein Virus ist, dass alle Menschen bzw.

00:04:12: alle Säuglinge trifft und natürlich neunzig Prozent aller Säuglinge sind Reifgeborene und die restlichen zehn Prozent, die Frühgeborene waren oder Risikofaktoren haben, sind zwar häufiger betroffen, stärker betroffen aber natürlich die große Gruppe der neunzig Prozent verbleibenden Säuglinge infiziert sich auch und von denen hat dann auch wieder einen Teil Verläufe, die zu einem Krankenhausaufenthalt führt.

00:04:35: Warum frage ich immer nach den Zahlen?

00:04:37: Weil aus denen halt hervorgeht, dass es wirklich jedes Baby, jedes Neugeborene, jedes Kleinkind treffen kann und höchstwahrscheinlich auch irgendwann treffen wird.

00:04:47: Ganz genau in Österreich zum Beispiel geht man von fast fünfundfünfzigtausend Infektionen pro Jahr aus und diese große Anzahl an Infektion hat z.B.

00:04:58: im letzten, in der letzten RSV-Saison zu ungefähr tausendeinhundert Hospitalisierungen geführt.

00:05:05: weltweit sind wir da in einem Bereich von dreißig Millionen Infektionen und je mehr Kinder natürlich schwere Verläufe haben und hospitalisiert werden, desto mehr Komplikationen.

00:05:16: Und man muss auch sagen natürlich Todesfälle.

00:05:18: Wenn Sie sagen fast fünfundfünfzigtausend Infektionen pro Jahr sprechen wir von Kindern im ersten Lebensjahr.

00:05:25: Ja genau das sind die ganz kleinen Kinder, die eben am häufigsten betroffen sind.

00:05:29: Wie wird denn RSV übertragen?

00:05:32: RSV wird ganz einfach übertragen und zwar ist es eine Tröpfcheninfektion, das ist durch Husten, Niesen aber auch durch Schmierinfektionen.

00:05:43: Also, wenn man Sachen angreift und symptomlose Personen die ganz gesund erscheinen sind auch Überträger.

00:05:51: Ganz oft ist es auch das größere Geschwisterkind, das aus dem Kindergarten nach Hause kommt und das mitbringt

00:05:59: was bei einem Neugeborenen oder sehr jungen Baby natürlich ganz andere Folgen dann hat.

00:06:05: Kann man das ein bisschen beschreiben?

00:06:07: Was macht denn RSV im Körper so eines kleinen Babys?

00:06:11: RSV greift die Atemwege an von den oberen Atemwegen bis zu den unteren Atemwegen, bis zu den ganz Kleinen in der Lunge und die sind sowieso bei kleinen Babys schon eng.

00:06:22: wenn dann die Infektion des Virus dazu führt, dass Schleim produziert wird, auch Zellen absterben, dann werden diese kleinen Atemwege schnell verlegt und das kann nicht mehr zu einer uneingeschränkten unproblematischen Atmung kommen.

00:06:36: Was sind die Langzeitfolgen?

00:06:38: Die Langzeitfolgen können sein, dass Kinder vermehrt Jahre darauf Bronchididen bekommen, also das ist auch wieder eine Atemwegserkrankung die zu einer erschwerten Atmung führt.

00:06:48: Es kann dazu führen, dass die Kinder häufiger an Asthma-Bronchiale erkranken was eine Erkrankung ist, die man dann, die einen dann das ganze Leben lang begleitet.

00:06:56: aber natürlich auch - wir haben ja drüber gesprochen schon, dass die Atmungen beeinträchtigt ist -

00:07:01: und wenn die Atmung beeinträchtigt ist, dann kann es im schlimmsten Fall zu Atemaussetzern kommen, die dann auch zu einer Sauerstoffunterversorgung im Gehirn führen kann

00:07:10: und in solchen schwerwiegenden Fällen kann es natürlich auch zu neurologischen Problemen bei der Entwicklung zum Beispiel später kommen.

00:07:16: Also alles andere als ein harmloser Schnupfen, den das große Geschwisterkind halt vom Kindergarten mitgebracht hat.

00:07:24: Aber wie unterscheidet sich RSV von einer normalen Erkältung so dass die Eltern sofort wissen ui das ist ein Warnsignal jetzt?

00:07:34: Ich würde sagen, ganz genau dieses eine Symptom gibt es da nicht.

00:07:37: Bei Säuglingen ist es einfach wichtig gewisse Warnsymptome ernst zu nehmen.

00:07:42: Bei einem kleinen Säugling vor allem in den ersten Lebensmonaten ist einmal das erste wo ich achtsam werden sollte als Elternteil wenn das Kind schlechter trinkt.

00:07:50: In den ersten Monaten kann ein Baby nur durch die Nase atmen und vor allem beim Trinken atmet ein Baby durch die Nase.

00:07:57: Und wenn die Nasenatmung verlegt ist und das Baby nicht mehr trinkt, dann kann es ganz schnell zu Problemen führen.

00:08:03: Zusätzlich zum verschlechterten Trinkverhalten ist natürlich ein wirklich ernstzunehmendes Warnsymptom auch, wenn die Atmung erschwert erscheint, wenn Kinder schnell atmen, wenn sie Nasenflügeln haben oder Einziehungen in der Brust haben oder sich sogar die Hautfarbe verändert vor allem um den Mund beim Trinken herum, wenn sich das leicht bläulich verfärbt.

00:08:23: Das sind grundsätzlich Symptome, die bei jeder Virusinfektion oder bei jeder Atemwegsinfektion auftreten können.

00:08:30: Aber eben genau diese Symptome dieser Verläufe einer Virusinfektion wo es zu solchen Komplikationen und schwerwiegenden Symptomen kommt ist eben häufiger bei RSV.

00:08:39: Also auch wenn wir jetzt noch nicht wissen was steckt dahinter bei einem Baby?

00:08:44: Wenn ein Baby Symptome hat wie schlechteres Trinkverhalten, erschwerte Atmung dann auf jeden Fall beim Kinderarzt oder bei der Kinderärztin oder an der Klinik vorstellig werden

00:08:53: Nicht

00:08:53: zögern. Nicht denken:

00:08:56: Ich bin überängstlich und vorsichtig.

00:08:59: Oh nein!

00:08:59: Auf keinen Fall.

00:09:00: Da haben die Eltern meist eh ein ganz gutes Gefühl bei kleinen Babys.

00:09:04: Da sind sie eh schnell mal in Sorge.

00:09:07: Bei kleinen Babys, das kommt auch noch dazu, sind die Verläufe oft viel schneller als bei älteren Kindern, dass es ihnen noch gut geht und ein paar Stunden später geht's ihnen dann schon schlecht.

00:09:16: Dann ist es vielleicht dreiundzwanzig Uhr, die Eltern denken sich... Jetzt

00:09:20: will ich niemanden mehr belästigen.

00:09:22: Ganz genau aber mit Säuglingen würde niemals jemand denken vom medizinischen Personal, dass da übertrieben wird.

00:09:29: Im besten Fall kann man die Familie wieder nach Hause schicken aber eben leider in vielen Fällen muss man das Baby dann auch aufnehmen.

00:09:35: Über die Eltern und Familien sprechen wir gleich noch. Jetzt:

00:09:38: Wie erfolgt denn die Behandlung?

00:09:39: Wie erfolgt die Therapie, wenn so ein kleines Baby oder ein Kleinkind zu ihnen kommt?

00:09:45: Eine spezifische Therapie gibt es leider nicht, so wie bei ganz vielen Virusinfektionen.

00:09:51: Wir können nur symptomatisch therapieren.

00:09:53: Also wenn wir sehen das Baby ist soweit stabil, es trinkt, die Atmung ist in Ordnung, dann kann man natürlich auch einmal entscheiden, dass es zu Hause weiter betreut wird und ambulant ärztlich wieder vorgestellt wird.

00:10:03: Aber wenn die Entscheidung fällt der Allgemeinzustand vom Baby ist so beeinträchtigt oder Symptome sind so ausgeprägt, dass man das Kind aufnimmt,

00:10:12: dann ist einmal das Wichtigste, dass wir es monitorisieren und den Sauerstoffgehalt im Blut regelmäßig überwachen.

00:10:19: dass wir den Flüssigkeitshaushalt des Kindes überwachen – das haben wir ja schon besprochen -, dass das Trinkverhalten häufig nicht so gut ist.

00:10:25: Und wenn das wirklich soweit eingeschränkt ist, dass das Baby das nicht alleine schafft, dann braucht's eine intravenöse Flüssigkeitstherapie.

00:10:32: Also es muss dann ein Zugang gelegt werden, es wird dann Flüssigkeit verabreicht und wenn das noch weitergeht mit den Symptomen und der Verlauf so schwer ist, dann kann es sogar sein, dass das Kind eine Atemunterstützung braucht.

00:10:44: Das heißt, das kann sein von Sauerstoff-Therapie über eine Maske bis dazu, dass das Kind beatmet wird über eine Maschine also, dass ein Schlauch in die Luftröhre hineinkommt und diese Maschine dann das gesamte Atmen vom Kind übernimmt.

00:10:58: Frau Kolle, jetzt kann natürlich ein Baby, ein Säugling nicht mithelfen. Kann

00:11:04: nicht abhusten, weiß nicht wie ihm geschieht.

00:11:07: Die Eltern stehen plötzlich vor einem wirklich schockierenden Bild.

00:11:11: Können Sie kurz beschreiben, was diese Situation, diese Erkrankung und die Behandlung im Krankenhaus für die Familien bedeutet?

00:11:19: Was sieht man da?

00:11:21: Man sieht ein krankes Kind, wirklich krankes Kind und das ist für die Familien absolut traumatisierend und schockierend.

00:11:28: Das Kind liegt wie?

00:11:30: Das Kind liegt mit einer Infusion, eventuell mit einer Atemhilfe.

00:11:36: Das ist die Maske oder es wird beatmet.

00:11:39: Es ist auf jeden Fall an Monitoren angeschlossen und es gibt viele Schläuche.

00:11:44: Es is wirklich ein Intensivpatient.

00:11:48: Ein Intensivpatient.

00:11:49: An Monitoren, an Schläuchen... Bewegungsunfähig, weiß nicht wie ihm geschieht.

00:11:56: Genau.

00:11:58: Und jetzt muss man leider dazu sagen wir wollen nicht schwarz malen.

00:12:01: Das ist die Realität, die wir hier besprechen.

00:12:06: Wie lange kann das dauern?

00:12:08: Das kann von wenigen Tagen bis Wochen dauern.

00:12:14: Wochen, mit denen die junge Familie in keinster Weise gerechnet hat

00:12:18: Überhaupt nicht.

00:12:19: Weil man geht immer bei einem Neugeborenen oder einem Säugling vom Besten aus und das ist das gesunde Neugeborene, und auf das legt man den Fokus.

00:12:29: Und wenn es dann im Krankenhaus ist und betreut werden muss, dann ist es einfach ein großer Einschnitt für die Familie.

00:12:36: Sie können das Kind nicht zu herausheben.

00:12:39: Das Stillen funktioniert meistens nicht mehr so gut weil das Kind einfach müde ist.

00:12:44: Trinkschwach soll man schon gehört haben und das ist einfach ein Brechen in der Bindung.

00:12:54: Dass Frühgeborene besonders vulnerabel sind, haben wir natürlich schon besprochen.

00:12:58: Ihre Lungen sind ja noch nicht ausgereift.

00:13:00: Aber auch nochmal zu betonen alle Kinder sind gefährdet.

00:13:04: Jetzt erleben die Eltern die Hospitalisierung ihres Neugeborenen natürlich als traumatisch.

00:13:09: Sie haben sich auf eine ganz andere Routine eingestellt.

00:13:12: Sie haben vielleicht andere Versorgungspflichten mit eventuell anderen Geschwistern noch Zuhause.

00:13:18: Erleben Sie es, dass die Eltern Schuldgefühle entwickeln?

00:13:24: Sie fragen sich auf jeden Fall was habe ich falsch

00:13:26: gemacht.

00:13:27: Habe ich etwas übersehen?

00:13:29: Was hätte ich anders machen können?

00:13:31: Habe ich mich nicht richtig informiert?

00:13:34: Das sind so die Punkte.

00:13:35: Man fängt immer mit Selbstzweifeln an, wenn das Kind im Krankenhaus ist und krank ist.

00:13:41: In der Geburtsvorbereitung lernen wir immer wie wichtig der Hautkontakt ist, dass man möglichst viel Zeit mit dem Neugeborenen ganz eng am Körper, verbringt

00:13:55: Mutter

00:13:55: und Vater und sonstige Bezugspersonen.

00:13:59: In dieser Situation geht – wir haben das schon besprochen – natürlich das auf gar keinen Fall.

00:14:04: Also weil das Kind eben an Monitoren hängt oder sehr, sehr schwer. Von stillen….

00:14:13: ist nicht davon auszugehen, dass man stillen kann oder?

00:14:15: Es hängt davon ab, wie schwer das Kind erkrankt ist.

00:14:18: Wenn das Kind beatmet wird, dann gibt es, ist es mit dem Stillen schwer.

00:14:22: Wenn es eine Atemunterstützung hat, kann man dazwischen je nachdem wie weit es geht schauen wie es mit dem Stillen weitergeht.

00:14:31: Also das bedeutet, die Eltern können ihr Baby oft nicht normal halten.

00:14:35: Die Mütter können nicht stillen.

00:14:37: Das bedeutet teilweise, das stimmt beziehungsweise es können schon auch intensiv gepflegte Kinder auf dem Körper oder auf der Brust ihrer Eltern liegen.

00:14:46: Aber viele Intensivstationen in Österreich bieten nicht an, dass die Eltern über Nacht bleiben können.

00:14:53: Das heißt, man muss bedenken, man hat da vielleicht ein wenige Wochen altes Baby oder wenige Monate altes Baby und kann tagsüber beim Baby sein, Unterstützung bieten, aber muss dann abends nach Hause gehen und das Baby dem Personal überlassen.

00:15:07: Und ich denke, das ist auf jeden Fall ganz, ganz schwierig.

00:15:10: Das ist ganz, ganz schwierig!

00:15:12: Natürlich hat man gerechnet mit Mutterschutzzeit, Karenzzeit vielleicht geteilter Karenzzeit.

00:15:20: dass es aber lange dauernde Krankenhausaufenthalte gibt, ändert auch die Dynamik in der Familie und auch die finanziellen Dimensionen oder?

00:15:31: Auf jeden Fall.

00:15:31: Es ist so, man muss einfach dann mehr Urlaub nehmen, Pflegeurlaub, wenn es geht und wenn man vielleicht noch ein Geschwisterkind zu Hause hat, beginnt natürlich die Frage nach der Betreuung.

00:15:42: Nach dem Kind zuhause,

00:15:44: weil das kranke Kind im Krankenhaus will man ja keinesfalls alleine lassen.

00:15:49: Jetzt auf der Neonatologie ist es nicht möglich, dass man also nicht überall möglich, dass man vierundzwanzig Stunden vor Ort bleibt.

00:15:57: Auf den Normalstationen schon leichter, aber trotzdem ist man immer mit dem Gedanken auch beim kranken Kind und Geschwisterkinder zu Hause müssen ja auch versorgt werden.

00:16:09: Da muss der Partner, die Partnerin sich frei nehmen, Urlaub nehmen – es kommt die ganze Familie ins Spiel, dass die Betreuung zuhause funktioniert.

00:16:19: Frau Scheuchenegger, wir haben schon über die Zahlen gesprochen also etwa 55.000 Infektionen und über 1.100 Hospitalisierungen jährlich gibt es in Österreich.

00:16:32: Und abgesehen von den direkten Auswirkungen auf die Familien, was bedeuten diese Zahlen für das österreichische Gesundheitssystem?

00:16:39: Ja, das haben wir in manchen Saisonen schon deutlich gesehen.

00:16:42: Wenn es viele Patienten und Patientinnen gibt in der RSV-Saison – also wir reden da von Oktober bis April – dann sind einfach die Betten voll!

00:16:49: Und dann kann das teilweise sogar so sein, dass ein Baby oder ein Kind über Nacht einmal im Bett am Gang liegen muss.

00:16:56: Dann wird's schwieriger, dass die Eltern beim Kind bleiben weil einfach kein Platz ist.

00:17:00: Bevor überhaupt die Stationen überfüllt sind, sind auch schon die Ambulanzen überfüllt.

00:17:04: Das heißt, das gesamte medizinische Personal ist ausgelastet, teilweise sogar überlastet und ich glaube das ist in keinem Bereich gut, wenn man überlastet ist.

00:17:13: Das bringt auf jeden Fall auch viele Nachteile mit sich.

00:17:17: Dann kommen noch Grippe und Corona dazu?

00:17:20: Genau!

00:17:21: Leider sind diese Erkältungsvieren die Sogenannten, alle zur selben Zeit und eben auch die Grippe ist genau zur selben Zeit häufig vorkommend wie das RSV.

00:17:33: Alleine

00:17:33: in Graz haben Sie die jährlichen Behandlungskosten für RSV-erkrankte Säuglinge erhoben.

00:17:41: Ja, da haben wir erhoben, dass wir von ungefähr zwei Millionen Euro jährlich ausgehen.

00:17:45: Das ist wirklich ein riesiger Betrag, wenn man bedenkt natürlich, dass es auch in Graz zu vielen Hospitalisierungen kommt und auch zu Intensivaufenthalten und es wird natürlich viel Personal gebraucht im Krankenhaus.

00:17:59: Eine Frage an Sie beide, ich weiß nicht wer als erstes antworten will.

00:18:02: Wie können Eltern ihre Neugeborenen bestmöglich schützen?

00:18:06: Indem Sie sie immunisieren nach der Geburt oder immunisieren lassen und auf Hygiene auch achten!

00:18:14: Genau.

00:18:15: Zum Glück gibt es in Österreich auch die Möglichkeit, jetzt schon die dritte Saison in der kommenden RSV-Saison, dass die Kinder immunisiert werden.

00:18:24: Also das ist auch ganz wichtig zu sagen, da handelt es sich so um keine Impfung.

00:18:27: Viele Eltern sind

00:18:28: in dem Alter da auch noch ein bisschen ängstlich und fragen sich da, ob das für das Immunsystem viel ist, wenn ein Neugeborenes sofort geimpft wird.

00:18:37: Aber was ist jetzt der Unterschied?

00:18:38: Eine Immunisierung bietet einfach sofort den Schutz, diesen Antikörper den wir dem Kind verabreichen,

00:18:44: der ist sozusagen gleich das fertige Schutzprotein, das ab Tag 1 oder ab Tag zwei bis drei, wie uns die Studien sagen.

00:18:51: Einen Schutz gegen das Virus bietet, also

00:18:53: das Kind muss da sozusagen gar nicht selbst arbeiten, sondern bekommt direkt den Schutz verabreicht.

00:18:58: Und mittlerweile gibt es weltweit über elf Millionen verabreichte Dosen und die Komplikationsraten sind wirklich minimal.

00:19:05: Also das kann man besten Gewissens den Eltern empfehlen ihre Kinder immunisieren zu lassen.

00:19:11: Frau Dr.

00:19:12: Scheuchenegger, was bedeutet denn passive Immunisierung?

00:19:15: Da erkläre ich jetzt ganz kurz die aktive Immunisierung.

00:19:18: Bei der aktiven Immunisierung, das ist die herkömmliche Impfung so wie wir sie kennen. Da wird ein Teil von einem Pathogen also von einem Virus verabreicht, das Immunsystem des Körpers reagiert darauf, merkt sich das Pathogen und das nächstes Mal, wenn wieder es zu einem Kontakt kommt, kann sich der Körper sofort verteidigen.

00:19:36: Bei der passiven Immunisierung ist es so, dass das körpereigene Immunsystem eigentlich gar nichts dafür tun muss.

00:19:42: Die fertigen Antikörper, das sind Schutzproteine, die werden verabreicht, die zirkulieren dann im Körper und wenn's dann Kontakt gibt mit dem Virus, also mit dem RS-Virus zum Beispiel, dann kann sich der Körper sofort schützen und verteidigt gegen dieses Pathogen oder Virus.

00:19:57: Also die Immunstoffe werden direkt verabreicht.

00:20:01: Das Baby muss nicht durch die Immunisierung selber das Immunsystem entwickeln, sondern es kriegt die Immunstoffe...

00:20:09: Ganz genau!

00:20:11: Die impft man also mit einer kleinen Spritze hinein?

00:20:14: Es ist eine Spritze aber es sind direkt die Schutzproteine, die den Körper vor dem Virus schützen

00:20:21: und sie sagen ab Tag eins zwei drei.

00:20:24: Also wann gibt man das dann?

00:20:27: Die Kinder kriegen das im Normalfall zwischen Oktober und März.

00:20:31: Also alle Kinder, die ab dem ersten Oktober bis zum einunddreißigsten März geboren werden, bekommen das im Anschluss an die Geburt oder haben die Möglichkeit es in der Geburtsklinik sofort zu bekommen.

00:20:43: Wie lange hält dann der Schutz?

00:20:46: ungefähr sechs Monate.

00:20:47: Geht man davon aus, dass diese Antikörper im Blut bleiben und dann ist das Kind ja auch geschützt die gesamte Saison.

00:20:54: Weil wenn dann der Frühling kommt gibt es eigentlich auch kaum mehr bis keine RSV-Infektionen mehr.

00:21:01: Und das bedeutet dann... Das ist ja erst ein Jahr alt.

00:21:04: in der nächsten Saison, das Baby wird das dann wieder immunisiert?

00:21:09: Nein, der Großteil der österreichischen Kinder oder Säuglinge wird nur einmal immunisiert.

00:21:14: Da gibt es aber Ausnahmen sogenannte Risikokinder also ehemalige kleine Frühgeborene oder Kinder mit irgendwelchen chronischen Vorerkrankungen wo ein schwerer Verlauf auch im zweiten Jahr wahrscheinlich ist, die bekommen eine zweite Immunisierung.

00:21:30: Wie ist denn die Wirksamkeit der Immunisierung?

00:21:33: Sie ist sehr hoch.

00:21:34: Also man kann davon ausgehen, dass die Kinder einen Schutz von 80 Prozent gegen den RS-Virus haben.

00:21:43: Ich versuche gerade von zwei Millionen Euro

00:21:45: 80 Prozent abzuziehen, überlasse das anderen Leuten.

00:21:49: Durchaus ist sicher ganz viel was wir uns ersparen.

00:21:52: Wir haben uns jetzt auch angeschaut im letzten Jahr in Graz, ob die Kinder, die hospitalisiert wurden mit dem RSV-Virus immunisiert waren oder nicht und da hat es einen deutlichen Unterschied, also einen statistisch signifikanten Unterschied gegeben zwischen Kindern, die immunisiert waren und die, die nicht immunisiert waren.

00:22:11: Also wir haben schon noch Kinder aufgenommen, die gegen das RS Virus immunisiert war, aber das waren weniger als ein Prozent und die Kinder, die wir aufnehmen mussten ohne Immunisierung waren ungefähr drei Prozent.

00:22:24: Wie schaut es denn aus mit dem Sicherheitsprofil dieser Immunisierung?

00:22:28: Das Sicherheitsprofil der Immunisierung ist sehr gut.

00:22:31: Mittlerweile wurden über elf Millionen Dosen verabreicht und die Komplikationsrate ist minimal.

00:22:37: Man kann vielleicht einmal mit einer Rötung an der Einstichstelle rechnen.

00:22:41: Manche Eltern beschreiben dann, dass das Kind die Stunden danach vielleicht etwas unruhiger ist, aber schwerere Nebenwirkungen haben wir nicht gesehen.

00:22:48: Das heißt, wir sehen wirklich die positiven Dinge an der Immunisierung.

00:22:51: Wie schaut es aus im internationalen Vergleich?

00:22:54: Andere Länder wie die USA, Spanien, Frankreich, Deutschland, Portugal, Italien oder die Schweiz berichten auch über einen drastischen Rückgang der Spitalsaufenthalte und der Erkrankungen mit dem RS Virus.

00:23:11: Welche Rolle fällt denn dabei Hebammen zu und wo können sich werdende Eltern darüber hinaus informieren?

00:23:17: Eltern kommen ja schon in der Schwangerschaft zur Hebammenberatung.

00:23:20: Und das ist ein guter Zeitpunkt, die Eltern über die RS Immunisierung beim Neugeborenen zu informieren.

00:23:28: Da haben sie noch genug Zeit, sich Informationen einzuholen.

00:23:32: Diese Informationen gibt es in sozialen Medien, die gibt's in verschiedenen Sprachen.

00:23:38: Also es gibt wirklich breit gefächert die Möglichkeit, sich da Informationen zu holen.

00:23:44: Und die Hebamme ist die beratende Frau an der Seite der Familien.

00:23:48: Und dann wenn es Richtung Geburt geht, das Neugeborene dann da ist, halten ganz viele Eltern noch einmal Rücksprache mit der Hebamme und sie sagen was hältst du davon?

00:23:59: Hast du schon etwas gehört wie ist es anderen Familien gegangen?

00:24:02: und das ist dann ganz was Maßgebendes

00:24:05: Aus ihren bisherigen Erfahrungen.

00:24:07: Wo ist dann noch Luft nach oben?

00:24:09: Was ist Ihr Appell an Eltern, Mediziner:innen und Entscheidungsträger:innen?

00:24:13: Ich weiß nicht wer antworten möchte.

00:24:15: Die Information an die werdenden Eltern, dass es die Möglichkeit gibt jedes Kind immunisieren zu lassen, dass es wirklich kostenlos zugänglich ist und dadurch niederschwellig angeboten werden kann und dass man den Kind wirklich damit helfen kann.

00:24:31: Ich finde, die Kollegin hat das eh sehr gut gesagt.

00:24:33: Dass es so wichtig ist, dass die Hebammen das auch mit den Eltern schon in der Schwangerschaft besprechen, weil wir Kinderärzte und Ärztinnen kommen halt dann erst nach der Geburt dazu.

00:24:42: Das heißt wir sind in dem Moment ganz neue Personen für diese Familien und man vertraut wahrscheinlich schneller mal wem dem er schon kennengelernt hat.

00:24:51: von dem her ist es vielleicht zusätzlich zu den Hebammen sodass auch die Geburtshelfer und Innen da die Informationen weitergeben können.

00:24:58: Wir Kinderärzte und Ärztinnen kommen dann im Wochenbett und klären die Eltern auf, erzählen ihnen was das für ein Virus ist.

00:25:05: Was das machen kann und wie gut diese Immunisierung ist.

00:25:08: Und wir hoffen natürlich, dass sie uns so weit vertrauen und ihr Kind dann immunisieren lassen,

00:25:13: aber wenn da im Vorhinein schon viel Information geflossen ist glaube ich, dass sich die Eltern dazu entscheiden.

00:25:20: Jetzt gibt es noch natürlich einen Unterschied zwischen den Frühlings- und Sommerkindern, und denen die im Herbst geboren wurden.

00:25:27: Also wenn im Frühling Sommer alles in Ordnung war bis jetzt, neigt man nicht vielleicht dann dazu zu übersehen, dass jetzt die Grippe oder Verkühlungserkältungssaison wieder kommt und das man dann immunisieren sollte?

00:25:40: Wer ist denn dafür zuständig?

00:25:42: Es ist ja wichtig die Eltern darauf hingehend zu sensibilisieren, dass diese Saison wieder kommt und dann machen es die niedergelassenen Kinderfachärztinnen und immunisieren die Kinder im niedergelassenen Bereich.

00:25:56: Genau, also ich glaube, dass da auf jeden Fall die Aufgabe bei den niedergelassenen Kinderfachärzt:innen liegt.

00:26:01: Die Kinder im ersten Lebensjahr kommen ja doch recht regelmäßig auch zu Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen.

00:26:07: Ich finde, da ist es auf jeden Fall die Aufgabe von den niedergelassenen Kolleg:innen da einen Termin zu Beginn der RSV-Saison zu vereinbaren, dass dann die Immunisierung erfolgen kann.

00:26:17: Das ist dann so September, Oktober spätestens November wo das erfolgen sollte und da denke ich ist auf jeden Fall der Vorteil, dass die Kinder älter sind die Eltern dann schon die Unsicherheiten abgelegt haben und auch den Kinderarzt oder die Kinderärztin dann schon gut kennen.

00:26:34: Wenn das sich besser durchsetzt und mehr Eltern ihre Kinder immunisieren lassen wird unser gesamtes Gesundheitssystem entscheidend, würde ich mal sagen entlastet.

00:26:44: Auf jeden Fall und ich finde, wir sehen das jetzt schon.

00:26:46: Also es ist sicher noch Raum nach oben

00:26:48: also in Graz zum Beispiel wurden in der letzten Saison ungefähr siebzig Prozent der Neugeborenen immunisiert.

00:26:55: Also da ist noch Raum noch oben.

00:26:57: aber wir sehen das schon in unseren Ambulanz-Zahlen, in unseren Stationszahlen an der Kinderklinik, dass da deutlich weniger Hospitalisierungen sind und deutlich weniger Arbeitsbelastung für das gesamte Personal.

00:27:09: Frau Kolle, Ihr Appell an die Kolleg:innen?

00:27:12: Wichtig ist, dass wir als Hebammen die Informationen weitergeben.

00:27:16: Die Eltern gut aufklären und sie eben auch noch genug Zeit bis zur Geburt haben damit sie sich das gut überlegen können und dann im Rahmen ihres Aufenthalts die Kinder immunisieren lassen, wenn sie es wirklich wollen und aus Überzeugung machen.

00:27:34: Sie haben sonst ja auch noch die Möglichkeit das beim niedergelassenen Facharzt zu machen.

00:27:44: Frau Kulle, Frau Scheuchenegger.

00:27:45: Herzlichen Dank, dass Sie zu uns gekommen sind!

00:27:48: Danke für alle Ihre Informationen und alles Gute für Ihre wertvolle Arbeit.

00:27:53: Danke auch!

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